Of Shadows and Mirrors...

Prolog

Jeder, der sich zum Widerstand gegen den Schatten entschließt, weiß, dass er damit früher oder später dem Tod gegenüber stehen wird. Doch wenn dieser Tag gekommen ist, wird dieses Wissen zur Gewissheit, der sich in die Gedanken einbrennt und alles andere verblassen lässt. So auch bei euch. Viel zu kurz erscheint euch die Zeit, die ihr hattet, um den Feind zu bekämpfen. Eine Zeit, die zu Ende ging, als euch die Schergen Izradors ergriffen und euch, trotz aller Gegenwehr, gefangen nahmen. Nicht einmal die Ehre, im Kampf zu sterben, wurde euch gewährt. Nun sitzt ihr angekettet in einer dunklen Zelle in der Hauptstadt Erenhead und wartet auf das Ende. In der Dunkelheit ist von Zeit zu Zeit das Klirren von Ketten zu hören, das euch anzeigt, das noch andere mit euch in dieser Zelle befinden, doch niemand von euch hat die Kraft, seine Stimme zu erheben.

Die Türe zur stinkenden Zelle öffnet sich quietschend in der Dunkelheit und der flackernde Schein einer einsamen Fackel ist bereits ausreichend, um euch für einige Zeit zu blenden, bevor sich eure Augen an die Anwesenheit der trüben Helligkeit gewöhnen. Im Eingang steht ein Ork, doch nicht einer der Aufseher, sondern ein Krieger in Rüstung und mit einem Verdatch über der Schulter. Der Ork tritt ein und ein Mann folgt ihm. Er ist groß gewachsen und offensichtlich hager, doch sind die genauen Umrissen seines Körpers kaum zu erkennen unter der schwarzen und wallenden Robe und auch sein Gesicht ist unter einer großen Kapuze nur schemenhaft zu erkennen.
“Das sind sie also, Goric?” ertönt eine leise Stimme. Der Ork nickt. “Ja, Meister Keloth. Wir haben alle Gefangenen der letzten Wochen und die Umstände ihrer Gefangennahme untersucht, wie Ihr es befohlen habt. Dies sind die einzigen, die ungewöhnliche Gaben aufwiesen.” Während ihr euch noch über die gestochen scharfe Sprache des Orks wundert, fährt die schwarze Gestalt fort. “Sehr gut. Bringt alle anderen zu den Spiegeln. Diese hier aber schafft fort zum Hafen. Dort wartet eine Barkasse, die euch und eure Männer bis zum Ardune bringt. Der Steuermann der Barkasse wird euch zu einem kleinen Dorf an der Westküste bringen, wo ein Gesandter Sunuaels die Gefangenen entgegen nehmen wird. Einer meiner Schüler, Jar-Abas, wird euch begleiten, um diese Gaben der Gefangenen im Griff zu halten. Ihr kennt ihn bereits.” Keloth schaut den Ork an. “Ihr werdet seinen Befehlen gehorchen. Ich dulde keine Ausnahmen. Habe ich mich klar ausgedrückt?” Der schwarze Mann spricht weiterhin mit leiser Stimme, doch scheint es während seiner letzten Worte, als würde die Zelle noch kälter werden. Goric senkt die Augen und antwortet “Ja, mein Herr. Ich habe verstanden.”
Keloth nickt zufrieden und wendet sich an euch. “Ein wirklich belustigender kleiner Haufen Exkremente seid ihr. Gerne würde ich persönlich anwesend sein, wenn Sunulael sich euch annimmt. Doch leider warten auf mich andere Aufgaben. Macht euch keine Hoffnung auf Entkommen. Ich weiß zwar nicht, woher eure seltsamen Gaben kommen, aber wie ihr vielleicht bereits feststellen konntet, werden sie euch auf eurer letzten Reise nichts nutzen.” In der Tat, Keloth hat Recht. Keiner von euch kann auf die Kräfte, die ihm durch Aryth gegeben wurden, zugreifen. Damit scheint auch die letzte Hoffnung, vielleicht auf der Reise entkommen zu können, zu schwinden.
Keloth wendet sich an den Ork. “Ich verlasse mich auf euch. Wenn ihr die Gefangenen abgegeben habt, reist ihr weiter nach Al Kadil. Dort werdet ihr euch sogleich bei mir melden.” Mit diesen Worten dreht sich die schwarze Gestalt um und verlässt die Zelle. Der Ork schaut jeden von euch noch einmal an und ein diabolisches Lächeln erfasst sein bestialisches Gesicht. Dann geht auch er und die Türe wird wieder verschlossen. Die Dunkelheit eurer Zelle erfasst euch erneut und kriecht lagsam weiter voran in eure Herzen.

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Rubycon

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